Körpersprache des Hundes

Hunde empfinden zwar nicht so komplexe und vielschichtige Emotionen wie der Mensch, dennoch haben auch unsere Vierbeiner Gefühle wie Freude, Traurigkeit, Angst und Aggression.

Der Hund setzt – genau wie der Wolf – vorrangig auf die Körpersprache, um sich mit Artgenossen zu verständigen, seine Gefühlslage auszudrücken, aber auch, um Konflikte und Machtunklarheiten friedlich zu lösen und es nicht immer direkt zum Kampf kommen zu lassen.

Bei Wölfen kann man die Rangordnung innerhalb des Rudels an der Rute ablesen. Je höher diese getragen wird, desto selbstbewusster der Wolf und so höher sein Rang innerhalb der Gruppe. Auch beim Hund kann man sehr viel aus der Haltung der Rute lesen. Sie bietet dem Hund die größte Variationsbreite, um seine Gefühlslage klar zu äußern. Der Hund kann sie von einer zu anderen Seite wedeln und damit seine generelle (Vor-) Freude oder Aufregung ausdrücken. Sie kann bei Dominanz oder Aggression auch nach oben gestellt werden. Je nach Intensität der Unsicherheit und Demut bis hin zur Angst, kann die Rute gesenkt und auch zwischen die Beine geklemmt werden.

Die ausgeprägte Körpersprache des Hundes kann vom Menschen einfach gelesen werden, wenn er auf bestimmte Signale achtet.

Ganz entspannt

Bei der entspannten, normalen Körperhaltung steht der Hund aufrecht und unverkrampft. Die Rute wird – je nach Rasse – in der Normalhaltung getragen. Die gesamte Muskulatur und der Gesichtsausdruck sind entspannt und harmonisch. Die Ohren bewegen sich locker, entsprechend der Bewegung oder den Geräuschen.

Ganz aufmerksam

Der Hund ist in freudiger Erwartung auf ein anstehendes Abenteuer. Er steht aufrecht, aber entspannt dar und fokussiert eine bestimmte Situation oder sein Gegenüber. Die Ohren werden locker aufgestellt und die Lefzen sind leicht geöffnet. Die Rute ist waagrecht aufgestellt. Der Hund hat eine aufrechte und selbstbewusste Haltung, aber es gibt kein Anzeichen von Aggression, wie beispielsweise Knurren, aufgestellte Nackenhaare oder eine aggressive Mimik.

Ganz in Spiellaune

Die Spielelaune ist ausgebrochen. Und der Hund fordert sein Gegenüber aktiv zum Spielen auf. Er verharrt in der Haltung in völliger Spielerwartung oder springt ruckartig hin und her, bis es endlich losgeht. Die Vorderbeine sind eingeknickt und er liegt mit dem Oberkörper fast auf dem Boden. Die Augen fokussiert und die Ohren sind aufmerksam aufgerichtet. Das Maul ist leicht geöffnet und durch die nach oben gezogenen Mundwinkel, könnte man fast annehmen, dass er vor Freude lächelt. Die hoch gestellte Rute wedelt freudig hin und her. Auch fordert er gegebenenfalls sein Frauchen oder Herrchen mit einem freudigen und aufgeregten Bellen auf, endlich den Ball zu werfen und mit ihm zu spielen

Ganz und gar nicht auf Angriff aus

Der Hund hat Angst und möchte durch seine Körperhaltung deutlich seine Unterwürfigkeit oder sein Unbehagen zeigen. Er zieht seine Rute zwischen die Beine ein, duckt sich, krümmt den Rücken und knickt die Hinterbeine leicht ein oder kauert sich auf den Boden und macht sich möglichst klein. Der Gegner soll nicht weiter gereizt und jegliche Form der Aggression vermieden werden. Er zeigt ganz klar seine Demut oder auch Angst und macht seinem Gegner klar, dass er sich unterordnet und nicht auf einen Machtkampf aus ist.

Ganz schön dominant

Eine Drohung wird nicht nur durch das Knurren oder lautes Bellen ausgedrückt, sondern er zeigt auch die Zähne, stellt sind bewegungslos hin, hat einen starren Blick und fokussiert seinen Gegner. Zusätzlich stellt er seine Rute auf und steht möglichst gestreckt sowie breitschultrig dar, um größer zu wirken. Je nach Intensität schnappt der Hund auch nach dem anderen Zwei- oder Vierbeiner. Ziel ist es, den Gegner zum Zurückweichen zu drängen. Wer schon mal einen Hund im Angriffs- oder Drohmodus gesehen hat, weiß, dass dieses Bild sehr einschüchternd oder erschreckend ist.

Ganz intuitiv

Das Hin- und Herwälzen auf dem Rücken kann unterschiedliche Gründe haben. Zum einen wälzen sich Hunde einfach vor Glück und Wohlbehagen von links nach rechts und wieder zurück. Sie bauen so die überschüssige Energie ab. Zum anderen legen sie sich auch auf stark riechende Stoffe, um den Eigenduft zu überzudecken und reiben diese so in ihr Fell. Hier kommen noch die Urinstinkte des Hundes durch, als er noch selbst sein Futter jagen musste. So konnte er sich möglichst nah an seine Beute anschleichen, ohne dass diese ihn schon von weitem an seinem Duft erkennen und fliehen konnte.

Ganz harmloses Spiel oder ernster Kampf?

Nicht immer ist bei zwei raufenden Hund klar, ob diese nur spielen oder es sich um eine offene Auseinandersetzung handelt. Schon als Welpen lernen sie spielerisch mit ihren Geschwistern zu kämpfen. Später ist die Situation nicht immer so eindeutig. Auch hier gibt die Körpersprache die Antwort: Zwei spielende Hunde haben eine entspannte Körperhaltung und toben überschwänglich und freudig herum. Zudem ist insbesondere die Gesichts- und Augenpartie ganz locker und sie haben einen freundlichen Augenkontakt. Bei Aggressionen würden sich die Nackenhaare aufstellen und der Körper wäre angespannt und steif. Auch beobachten die Hunde sich in dieser Situation ganz genau und starren den Gegner an.

Ganz verunsichert

Der Hund kann die Situation noch nicht komplett einschätzen oder ist sich unsicher, wie er sich verhalten soll. Sein Kopf wird dann leicht schief gelegt, er duckt den Kopf, legt die Ohren an, behält aber Augenkontakt zum Gegenüber. Die Rute hängt gleichzeitig nach unten. Er zeigt sich insgesamt defensiv und eher zurückhaltend sowie unterwürfig.

Aber nicht nur der Mensch kann die Körpersprache des Vierbeiners missinterpretierten, auch unter Hunden kann es zu Missverständnissen in der Kommunikation kommen. Bei bestimmten Züchtungen kann das veränderte Erscheinungsbild von Artgenossen nicht immer klar verstanden werden. Beispielsweise aufgrund der Haarlänge (immer aufgestellte Haare), Ohren- oder Rutenhaltung.

Gleichzeitig kann aber auch die Körperhaltung des Menschen durch den Hund falsch verstanden werden, die dann falsche Schlussfolgerungen bei den Vierbeinern zu Folge haben. So wirkt ein unbekannter Mensch, der sich bei der ersten Begegnung von oben über den Hund rüber beugt als sehr dominant. Dies kann einschüchternd auf den Hund wirken oder eine Abwehrhaltung auslösen. Von Vorteil ist es daher, in die Hocke zu gehen, um so nicht von oben mit der Hand auf ihn zu zugehen, sondern von vorne.

Auch das Anstarren eines Hundes kann bei diesem Aggressionen hervorrufen oder noch weiter schüren. Wenn man einem ohnehin schon wütenden Hund gegenüber steht, sollte man ruhig stehen bleiben und das Gesicht sowie den Blick leicht abwenden, um den Hund nicht noch weiter zu provozieren.

Achten Sie mal auf die Körpersprache Ihres Hundes; was möchte er Ihnen sagen? Die Körpersprache verrät Ihnen die Gefühle und Anliegen Ihres Hundes und hilft Ihnen, Ihren Hund besser zu verstehen. Und eine bessere Kommunikation stärkt auch Ihre Hund-Mensch-Beziehung.

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